Nach einer sehr, sehr kurzen Nacht (um Acht Uhr morgens klingelte der Wecker, so früh steh ich ja sonst normal nicht auf) war er dann da, der große Tag. Für die, die es noch nicht wissen: es war Woifes und Alegs kirchliche Trauung, und mir wurde die Ehre zu teil, der Zeremonie als Trauzeuge beizuwohnen. Da ich immer noch nicht ganz fertig war mit meinen winzigen Details kam Hilde die Aufgabe zu, unser Auto zu packen. Ich zischte ihr meine Packliste zu während ich mein Zeug weitermachte, und musste so gerade noch ins Auto hüpfen, eigentlich gar nicht mal so viel zu spät. Erleichtert machten wir uns auf den Weg nach Mitterfels, als ich meinen Blick so an mir runter schweifen lies. Einen guten Trauzeugen gab ich da ab – T-Shirt, Shorts, Klapperl ohne Socken – Socken! Sch… Im selben Moment ging auch noch das Benzinlamperl vom Auto an, so dass es nahe lag umzukehren, Socken abzuholen und mit einem anderen Auto weiterzufahren. Mein Vater kam auch gleich raus gerannt um, beim Umladen behilflich zu sein, (ich glaube, daheim hatte man unser Zurückkommen insgeheim schon erwartet…)und Hilde stürzte rein, Socken holen, so dass es kurz darauf fast ohne weitere Verspätung weiter ging. Wie es der Teufel wollte ging ungefähr an gleicher Stelle wie vorher wieder das Benzinlamperl an, und da langsam fahren nicht wirklich eine Option war hieß es Strom sparen durch auslassen von Radio und Klimaanlage, was sich in entsprechender Transpiration meinerseits niederschlug. Aber kein Problem, ich dafür hatte ich mich ja noch nicht umgezogen. Zum Glück war Hilde damit beschäftigt sich im Auto umzuziehen, so dass sie das eine oder andere waghalsige Manöver nicht mitbekam. Ihre zweite Hochzeit mit mir in Deutschland, und das zweite Mal, dass sie sich im Auto umziehen musste… Wir schafften es ca. 20 Minuten vor Trauungsbeginn zur Kirche was natürlich angesichts meines Amtes gänzlich inakzeptabel war, aber immerhin, wir waren halbwegs pünktlich da. Ich stieg aus, geh an den Kofferraum, an die Rückbank und da kam der Schock. Der Anzug war nicht dabei!! Ich hatte die komplette Rückbank von Hildes Auto nicht umgepackt. Bömmel und Kalle waren die ersten, die in der Nähe standen und meine verzweifelten Blicke abbekamen. Kalle bot sich sogar an, mir seinen Anzug zu leihen, aber ich schlug aus. Also Mutter anrufen, die, einem Herzinfarkt nahe, sich sofort aufmachte meinen Anzug zu bringen, aber pünktlich sein konnte sie da nicht mehr. Meiner Hochrechnung zufolge wurden aber auch bei dieser Fahrt einige Verkehrsregeln großzügig ausgelegt, und es muss erwähnt werden, dass auch bei diesem Auto die Benzinuhr auf Anschlag stand. Unterer Anschlag versteht sich… In der Zwischenzeit kam mein Gang nach Canossa, ich musste dem Brautpaar mein Missgeschick beichten. Aber die Reaktion überraschte mich. Neben dem „des schaffst aa bloß Du“ erntete ich nämlich nur Lachen und dem Brautpaar zufolge half dieses kleine Missgeschick (cool, kursiv geht ja jetzt auch hier...) ganz gut gegen die Nervosität… Danke für diese Nachsicht! Wenigstens war niemand geistesgegenwärtig genug von diesem denkwürdigen Moment ein Foto zu machen. Hoffe ich zumindest...
Schließlich ging die Trauung ohne mich los, und ich tigerte die Strasse auf und ab in sehnsüchtiger Erwartung meines Anzugs, der dann auch kurz darauf eintraf. Ich schaffte es mit 10 Minuten Verspätung in die Kirche, der Gang in die Kirche gehörte zu den peinlichsten Momenten meines bisherigen Lebens und ich hatte bereits Suivs Lesung verpasst. Immerhin war ich jedoch zu meinen offiziellen Aufgaben zur Stelle, und vor allem ordentlich angezogen. Der Pfarrer hatte die Idee, dass sich das Brautpaar doch mal zur den Gästen umdrehen solle um zu sehen, wer alles ihnen zu Ehren gekommen war, ich machte von dieser Möglichkeit jedoch nicht Gebrauch. Ich war froh, wenn mich keiner sah…Die Zeremonie war sehr schön, vor allem Dank des sehr jungen und netten Pfarrers und des Chores. Machte schon was her, besonders beim letzen Stück, als der Chor die zweite Stimme über die Gemeinde drüber sang.
Nach der Trauung ging es zum Fischer Veri zu Kaffee und Kuchen, ich hatte aber noch zuviel Adrenalin in den Adern um ruhig zu halten, ein Zustand, der sich noch längere Zeit nicht ändern sollte. Die Tanzfläche wurde eröffnet, und ich muss sagen, einen geschmackvolleren ersten Tanz hab ich selten erlebt. Nothing Else Matters von Metallica – ganz stark… Die Brautentführung folgte und war stimmungsmäßig eindeutig der Höhepunkt. Dank der Band ging es ordentlich ab, Hans wurde mit schmutzigem Brunnenwasser abgespritzt (was nicht sehr nett war von der Band und Woifes außerordentlich schlechte Treffsicherheit und Beweis stellte), Woife überraschte uns mit außergewöhnlich guten Gesangsfähigkeiten bei der Solodarbietung von „Dich gibt’s nur einmal für mich“ (den Ohrwurm hab ich immer noch im Kopf – danke…), eine Aufgabe, bei der ich definitiv die Veranstaltung verlassen hätte in gleicher Situation, aber umgehend! Die Sonne schien, es gab süffigen Wein, ein Hit jagte den nächsten, man konnte feiern, tanzen, die Aussicht genießen, sich beim Striptease zur S** machen oder auf der Terrasse relaxen. Alle, die auch schon auf Höchis Hochzeit waren hatten genug Weitsicht sich zu fraglicher Stripteasezeit nicht in der Nähe der Band aufzuhalten, so dass wir dem Strip entkamen. Lediglich Bömmel hätte es fast wieder erwischt, aber insgeheim glaube ich, er hat es eh darauf angelegt. Es war aber auch gut, dass andere als das letzte Mal ausgewählt wurden, weil die Performance diesmal wesentlich besser war, als bei uns.
Kurz bevor die Stimmung überkochte ging es wieder zurück ins Gasthaus und damit zum Abendessen während die ersten Gäste bereits Spuren von der intensiven Feier bei der Brautentführung zeigten… Der Rest ist schnell erzählt – es gab lecker Essen, es wurden ein paar Spielchen gemacht, die seltsamerweise alle mit Luftballons zu tun hatten (der Anblick vom Woife auf Hüpfball mit Mütze und Vollkörperschutzanzug hat sich irgendwie unweigerlich in mein Gedächtnis eingegraben…), ohne, dass dies geplant gewesen wäre, und die Band machte einen spitzen Job. Ich musste die Armen mit ein paar Umdisponierungen nerven, aber sie machten alles mit und waren sehr flexibel. Mein Adrenalinspiegel bekam noch mal einen kleinen Peak als Suiv und ich unsere Präsentation zeigten, aber dann war auch das geschafft. Nicht frei von Eitelkeit hoffe ich, dass das Video davon was geworden ist...
Besonders hat mich mal wieder Hans beeindruckt. Glücklicherweise nahm er sich oft Hilde an, während ich wieder irgendwas anderes machte, und führte bestens Konversation mit ihr, tanzte vortrefflich und war einfach ganz und gar der Weltmann. Wenn er sich jetzt noch einen Wodka Martini, geschüttelt, nicht gerührt bestellt hätte, wäre ich nicht erstaunt gewesen. Ich vergnügte mich währenddessen mit ein paar anderen im Keller bei einer Heliumparty, als wir - wieder mal – Luftballons aufbliesen. Das anschließende Steigenlassen selbiger sollte dann auch den Schlusspunkt unter eine außerordentlich gelungene Hochzeit setzen, die mir nicht nur aufgrund des missglückten Auftakts besonders in Erinnerung bleiben wird. Nachdem sich das Brautpaar in seine Gemächer zurückgezogen hatte feierte der harte Kern noch etwas weiter, wir wurden erst auf zwei, dann auf einen Tisch zusammengetrieben, bis wir schließlich ganz rausmussten, aber noch dank meines Charmes einen Kasten Bier mitnehmen durften, den wir uns im Burgpark vornahmen. War irgendwie lustig, mit den gleichen Hanswurschten wie früher (bzw. wie immer) zusammenzusitzen, mitten in der Nacht, nur alle im Anzug – hatte was. Hilde ging schon etwas früher nach Haus da ihr kalt war, aber ich traf sie sogar noch wach an, als ich dann auch endlich fertig war mit feiern.
Respekt an das Brautpaar. Es war sicherlich ein extrem anstrengender Tag, und trotzdem hat es schön brav bei jedem Spielchen mitgemacht und die Gäste glänzend unterhalten. Ich hoffe, der Kelch des Heiratens geht noch eine Zeit an mir vorüber, aber ich bin eh noch viel zu jung dafür, und außerdem sind da eh erstmal andere an der Reihe!!!